Erwachsen werden

Ein sozialversicherungsrechtlicher Ratgeber von Procap

Der Übergang vom Kind zum Erwachsenen ist geprägt von Veränderungen und der Suche nach der eigenen Persönlichkeit. Bei Kindern und Jugendlichen mit einer Beeinträchtigung kommt als weiteres wichtiges Element ein grosser Wechsel im Sozialversicherungssystem hinzu. Dazu in der Folge einige Ausführungen gegliedert nach Alter des Kindes.

13/14 Jahre Benötigt das Kind bei der beruflichen Eingliederung beruflichen Eingliederung beruflichen Eingliederung beruflichen Eingliederung Unterstützung, spricht die IV berufliche Massnahmen. Bei Kindern, die die Regelschule besuchen, sollte der Antrag in der 7. Klasse eingereicht werden. Wenn das Kind eine Sonderschule besucht, ist eine Anmeldung oft erst später sinnvoll. Sprechen Sie sich in diesem Fall mit der Sonderschule und der IV ab.

16 Jahre Erwerbstätige Eltern sollten bei der Ausgleichskasse (oder dem Arbeitgeber) einen Antrag auf Ausbildungszulagen oder eine Verlängerung der Ausrichtung von Kinderzulagen prüfen lassen. Für erwerbsunfähige Kinder werden die Kinderzulagen mindestens bis zum 20. Geburtstag bezahlt. Achtung Achtung Achtung Achtung: Es gibt eine Einkommenslimite (Einkommen des Kindes) für die Auszahlung dieser Zulagen.

Wenn das jüngste Kind 16 Jahre alt wird, können die Eltern (oder betreuende Verwandte) Betreuungsgutschriften Betreuungsgutschriften Betreuungsgutschriften Betreuungsgutschriften beantragen. Dies ist kein Geldbetrag, wirkt sich aber später bei der AHV-Rentenberechnung der Betreuenden positiv aus. Zwingende Voraussetzung dafür sind:

  • Zu betreuende Person lebt im gleichen Haus oder max. 30 km entfernt selbständig
  • Hilflosenentschädigung mittleren oder schweren Grades
  • Betreuende Eltern/Verwandte sind nicht im Pensionsalter
  • Erwerbsausfall aufgrund der Pflegeleistung kann glaubhaft gemacht werden
  • Die Betreuungsgutschrift muss jährlich bei AHV-Ausgleichskasse beantragt werden. Anstelle der Eltern können dies auch Geschwister, Grosseltern, Ehegatten und Kinder beantragen. Das entsprechende Merkblatt ist bei der Ausgleichskasse erhältlich.

17 Jahre Erwerbstätige müssen über ihren Arbeitgeber Beiträge an AHV/IV entrichten. Finanzierung der Pflege und Betreuung zu Hause klären (Assistenzbeitrag, Ergänzungsleistungen, Krankenkasse, etc.). Ein IV-Rentenanspruch kann frühestens mit 18 entstehen. Der Antrag sollte aber 6 Monate vor dem 18. Geburtstag gestellt werden. Auch eine Beistandschaft kommt frühestens mit 18 in Frage. Die Abklärungen mit der KESB sollten aber vor dem 18. Geburtstag erfolgen.

Mit oder ohne Beistandschaft ist es sinnvoll zu klären, ob eine Vollmacht ausgestellt werden muss, damit die Eltern oder andere Vertraute die jungen Erwachsenen bei administrativen Belangen oder Bankgeschäften vertreten können. Unterschriftsregelungen genau klären. Prüfen Sie erbrechtliche Fragen frühzeitig (Erbe wirkt sich z.B. auf Ergänzungsleistungen aus) und auch Grosseltern darüber informieren.

Ab 18 Jahre Der Intensivpflegezuschlag Intensivpflegezuschlag Intensivpflegezuschlag Intensivpflegezuschlag (IPZ) fällt ab dem 18. Geburtstag weg. Zu einer beruflichen Massnahme der IV können Taggelder beansprucht werden. Die Hilflosenentschädigung (HE) wird monatlich automatisch ausgerichtet. Die Abrechnung entfällt. Es muss geprüft werden, ob eine Hilflosenentschädigung Hilflosenentschädigung Hilflosenentschädigung Hilflosenentschädigung (HE) wegen lebenspraktischer wegen lebenspraktischer wegen lebenspraktischer wegen lebenspraktischer Begleitung Begleitung Begleitung Begleitung beantragt werden kann. Diese Form gibt es bei Kindern nicht.

Mit der IV-Renten-, Hilflosenentschädigungs- oder Taggeld-Verfügung können Ergänzungs Ergänzungs Ergänzungs Ergänzungs-leistungen leistungen leistungen leistungen (EL) beantragt werden. Es ist wichtig, vor der Antragstellung zu prüfen, welche bisher unentgeltliche Hilfe durch Verwandte, Bekannte etc. neu entgeltlich geregelt werden soll, damit sie bei der EL abgerechnet werden kann. Mit der EL können auch gewisse Behinderungs- und Krankheitskosten (Franchise, Selbstbehalt, Zahnarzt, etc.) abgerechnet werden.

Mit der Haftpflichtversicherung Haftpflichtversicherung Haftpflichtversicherung Haftpflichtversicherung ist abzuklären, wie lange und unter welchen Bedingungen das Kind noch in der Familienpolice eingeschlossen ist. Es stellen sich weitere Privatversicherungsfragen Privatversicherungsfragen Privatversicherungsfragen Privatversicherungsfragen wie z.B. Deckung durch die Hausratversicherung. Bei der Billag kann die Befreiung von der Gebührenpflicht für Radio- und Fernsehempfang beantragt werden, wenn Ergänzungsleistungen ausgerichtet werden. Klärung von Steuerf Steuerf Steuerf Steuerfragen ragen ragen ragen (Abzug der Behinderungskosten, Befreiung von der Motorfahrzeugsteuer, usw.).

Die IV bezahlt medizinische Massnahmen nur bis 20-jährig. Es empfiehlt sich deshalb zu prüfen, ob wichtige Behandlungen noch vor dem 20. Geburtstag eingeleitet werden sollen.

Behandlungspf Behandlungspf Behandlungspf Behandlungspf lege lleeggee lege
Medizinische Massnahmen der IV
Grundpflege Grundpflege Grundpflege
Körperbezogen e Tätigkeiten wie Hilfe bei Körperpflege, Essen, Trinken, usw.
Betreuung Betreuung Betreuung
Alltägliche Hilfestellungen (nicht fachlich)
Hausarbeit
Spitex KK KK HE,EL HE,EL
Angehörige HE,EL HE,EL HE,EL
Angestellte HE, Ass, EL HE, Ass, EL HE, Ass, EL
Entlastungs -dienst HE,EL HE,EL

KK: Krankenkasse (muss vom Arzt verschrieben sein. HE: Hilflosenentschädigung
ASS: Assistenzbeitrag EL: Ergänzungsleistungen

5 Ab 20 Jahre • Ab dem 20. Geburtstag ist die Krankenkasse für alle medizinischen Behandlungen zuständig. Besondere schulische Massnahmen enden mit vollendetem 20. Altersjahr. Nicht erwerbstätige werden ab 20-jährig AHV/IV-beitragspflichtig.

Quelle: Procap (2013). Was steht meinem Kind zu? Ein sozialversicherungsrechtlicher Ratgeber für Eltern von Kindern mit Behinderung.

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