Minimal Comfort – Yannick Schaaf unterwegs im Rollstuhl nach Spanien

Yannick hat’s geschafft!
«Ich möchte etwas ganz neues und meines Wissens noch nie da gewesenes ausprobieren. Ich wandere in 20 bis 25 Tagen mit dem Elektrorollstuhl von Genf nach Spanien, 750 km entlang der Südfranzösischen Küste.»

So beschrieb Yannick sein Projekt auf der Crowdfundigplattform. Die angestrebten 3’000 Franken sind übertroffen worden, noch vor Ende des Crowdfundings. Insgesamt hat Yannick gut 15’000 Franken für sein Abenteuer gesammelt.

Das Besondere daran: Der 24-Jährige sitzt seit seinem 10. Lebensjahr aufgrund der Erbkrankheit Muskeldystrophie Duchenne im Rollstuhl. Er will mit seiner Aktion anderen zeigen, dass es auch mit einer solch schweren Einschränkung möglich ist, seine Grenzen zu verschieben. Dazu braucht es den Schritt aus der Komfortzone. Darum fand Yannick den sinnigen Namen «Minimal Comfort» für sein Projekt.

Die Route

Dank an die Spendenden

Natürlich bin ich sehr froh um jede Spende, die mir diese Reise ermöglicht hat.

Laut den Regeln der Crowfunding-Plattform werden hier die Spendenden mit 200 Franken speziell erwähnt:

  • Caspar Kemper, Zürich
  • Annik Bänziger, Zürich
  • Duchenne Schweiz, Münchenstein
  • Anonym
  • Beatrice Bürgisser, Aarau Rohr

Herzlich, Yannick

Reiseberichte Yannick

Start war am Freitag, 13. Juli 2018

16.8.: Hier noch der letzte Bericht Vom 25. Juli bis zum 3. August von Perpignan nach Tossa de Mar

Von Perpignan ging es weiter nach Le Boulou. Dort blieben wir zwei Nächte und machten am nächsten Tag einen Ausflug nach Collioure, ein Städtchen am Meer, das sehr schön war, allerdings hatte es schon recht viel Touristen.
Am nächsten Tag gingen wir weiter nach Rosas, die zweitletzte Etappe. Dort gab es einen Wechsel und Rolf kam die letzte Woche mit. Wir blieben drei Nächte. Zuerst mussten wir mit dem Auto ein Stück über die Pyrenäen fahren, was mit dem Rollstuhl mit Sicherheit unmöglich war. Wir fuhren, bis es wieder bergab ging und machten den Rest mit Rollstuhl und Velo. An diesem Tag hatte ich grosse Mühe, da meine Hand zum Steuern sehr geschwollen war aufgrund der Mückenstiche vom Vorabend.

Wir waren bereits in Spanien und es war sehr heiss, noch dazu gab es kaum Schatten. Also machten wir eine Pause in einer Beiz, die sehr schön war – sie sah aus wie eine Windmühle und erinnerte mich gleich an Don Quijotte, ein Roman in dem der Hauptcharakter aufgrund seiner blühenden Fantasie gegen eine Windmühle ankämpft. Danach ging es weiter, bald schmerzte allerdings mein linker Arm. Ich hielt noch eine Weile durch, musste mir dann allerdings eingestehen, dass ich jetzt besser an meine Gesundheit denke und diese Strecke abbreche.
Wir fuhren die letzten Kilometer mit dem Auto und holten diese Kilometer am übernächsten Tag nach mit einem Ausflug ins Landesinnere zu einem Ort namens Figueres mit Zwischenhalt in Castello d Empuries. Dort hatte es mehr Einheimische als Touristen. Nach den drei Nächten in Rosas ging es weiter nach L’Estartid mit Zwischenhalt in Sant Pere Pescador, die zweitletzte Etappe.

Danach war die letzte Etappe dran nach Tossa de Mar mit Pause in Palafrugell. In Tossa de Mar blieben wir auch drei Nächte in einem Hotel und ruhten uns nochmal aus, gingen ein bisschen shoppen und schlenderten in der Stadt herum. Wir gingen noch auf die Burg, die in Tossa neben dem Strand ist. Es war für den Rollstuhl zu steil und er überhitzte beinahe, das war die letzte Hürde auf der Reise.

Fazit der Reise: Wir haben es geschafft, ein bisschen mehr als 500 Kilometer mit dem Rollstuhl. Der letzte Teil war sehr anstrengend und ich muss sagen, dass mir Frankreich besser gefiel von der Landschaft her. Jetzt muss ich die Reise verdauen und reflektieren was sie mir persönlich gebracht hat. Damit beende ich meine Berichte und bedanke mich nochmal bei all meinen Unterstützern und Interessenten.

Gruss Yannick

Lieber Yannick
Wir gratulieren herzlich zu deinem Mut und deinem Durchhaltevermögen! Du hast wirklich die Komfortzone verlassen und damit ein Zeichen gesetzt, das für andere Menschen ein Beispiel sein wird, ganz nach dem Motto: es geht, wenn man will.
Das tönt natürlich banal und blendet alle Schwierigkeiten aus, die immer wieder auftreten. Gerade deren Überwindung ist aber die Essenz von persönlichem Wachstum. Wir sind sicher, du hast einen riesigen Schritt in diese Richtung gemacht!
Die Muskelgesellschaft

8.8.: Der Reisebericht vom 22. bis zum 25. Juli von Balaruc les Bains bis Perpignan

Von Balaruc les Bains ging es weiter nach Portiragnes, wir machten kurz Pause in Agde, dort wollte uns das Navi einen Kanal entlang schicken, also wieder mal Feldwege. Wir beschlossen einen anderen Weg zu nehmen aufgrund der bisherigen Erfahrungen. Mein Rollstuhl hielt bis kurz vor Schluss der Strecke durch, zwei Kilometer vor dem Ziel mussten wir aber doch noch abgeholt werden. Bevor wir auf den Campingplatz gingen, kehrten wir aber gleich in ein Restaurant zum Abendessen ein.

Weiter ging es am nächsten Tag nach Gruissan. Die ersten Kilometer ging es gut. Nach nicht einmal der Hälfte kamen uns die Salzseen in die Quere und wir hätten einen riesen Umweg machen müssen oder lange Zeit über Feldwege fahren. Wir beschlossen, in ein Beizli einzukehren und auf Fritz zu warten, der uns dann abholte um nach Gruissan zu fahren. Am Campingplatz grillierten wir, allerdings war es nicht sehr gemütlich, da wir von Mücken gestochen wurden die sehr agressiv waren.

Von Gruissan fuhren wir mit dem Auto ein Stück bis Leucate, von dort aus fuhren wir mit Rollstuhl und Velo bis Perpignan. In Le Barcares machten wir eine kleine Pause. Ab dort sah das Wetter nicht mehr so beständig aus, überall um uns herum regnete es, allerdings wurden wir nicht gross nass und kamen trocken in Perpignan an. Dort hatte ich eine Airbnb Wohnung gebucht. Die Wohnung war im grossen und ganzen gut zugänglich, der Platz im WC war allerdings knapp berechnet, aber es ging gut. Wir konnten wieder mal in einem richtigen Bett schlafen.

Herzliche Grüsse und Vielen Dank für euer Interesse und Unterstützung. Yannick

1.8.: Hier der nächste Reisebericht vom 18. bis zum 21. Juli von Saint Martin d’Ardèche nach Balaruc les Bains.

Von Saint Martin d’Ardèche ging es weiter bis nach Nimes, so war es jedenfalls geplant. Allerdings kam es anders als gedacht: nach etwa 6 Kilometer Fahrt lotste uns Googlemaps auf einen Feldweg. Wir betraten diesen noch mit positiven Gefühlen, ahnten allerdings nicht, dass dieser Weg ins nirgendwo führt. Dies merkten wir erst, als wir schon sicher eine halbe Stunde gefahren waren und das auf einem Weg, der noch unebener war als der nach Seyssel. Wir mussten umkehren und die ganzen Strapazen nochmals durchmachen. Mein Rollstuhl hatte sehr darunter gelitten und schaltete sich auf dem Rückweg einige Male selber aus, da er überhitzte.

Wir waren sehr froh als wir vom Feldweg weg waren und entschieden uns, um denn Rollstuhl zu schonen und  keinen Motorbrand zu riskieren, in den Abschleppwagen einzuladen. Wir fuhren direkt nach Nimes um einzuchecken, dort blieben wir gleich zwei Tage.
Am Tag darauf wollten wir die Stadt besichtigen und liessen uns von der Rezeption einen Fahrplan für die ÖV geben. Wir gingen an die Haltestelle und sahen, dass der Fahrplan dort nicht mit dem übereinstimmte, den wir bekommen haben – wir mussten etwa noch 45 Minuten warten. Als der Bus endlich kam dachten wir zuerst: «das funktioniert nicht» Obwohl es ein Rollstuhl-Zeichen hatte, gab es drei grosse Stufen, die auch mit dem Handrollstuhl sehr schwer zu bewältigen wären. Die Chauffeuse hatte allerdings keine Ahnung, dass es eine Möglichkeit gab, den Rollstuhl einzuladen – eine zwar sehr komplizierte, aber es gab eine. Sie meinte, normalerweise würde niemand im Rollstuhl denn Bus benutzen. Wir waren erleichtert als wir eine Plattform sahen, die als Lift fungierte, so kamen wir mit Verspätung doch noch in Nimes an. Dort assen wir Paella und eine Vanilleglace, die mit der Goldmedaille ausgezeichnet war.

Am Abend war die ganze Stadt wegen eines Konzertes abgesperrt und es fuhren keine Busse, also liefen wir den Weg zurück. Am nächsten Tag ging es nach Aimargues, bis dort gab es keine ungewöhnlichen Ereignisse. Erst als wir schlafen gehen wollten, erwischte uns ein Gewitter. Wegen eines Blitzes der in der Nähe einschlug hatten wir bis am Morgen Stromausfall und konnten denn Rollstuhl nicht aufladen. Also ging es am nächsten Tag mit wenig Akku weiter nach Balaruc les Bains, mit Zwischenstopp in Lansargues. Dort gab es wieder mal Fahrerwechsel und Fritz kam von jetzt an für eine Woche mit. Von Lansargues fuhren wir mit dem Auto ein Stück um den Akku zu schonen. Wir wollten aber doch noch ein bisschen selber fahren, was schliesslich doch nicht mehr möglich war. In Balaruc les Bains hatten wir ein Hotel gebucht. Diese Nacht konnten wir den Rollstuhl wieder aufladen.

Gruss Yannick

25.7.: Hier der Reisebericht von Faramans nach Saint Martin d’Ardèche vom 15. bis und mit dem 17. Juli.

Am Sonntag ging es weiter nach Tain-l’Hermitage, an diesem Tag war das Finale der WM, der Tag an dem Frankreich gewann. Für uns fing es allerdings nicht so erfolgsversprechend an.

Als wir schon etwa 6 Kilometer von Faramans entfernt waren, schrieb uns mein Bruder, dass er den Autoschjlüssel vermisse. Der Schlüssel war bei uns im Rucksack! Für meine Mutter hiess das, den ganzen Weg nochmal zurück radeln, damit mein Bruder weiterfahren konnte. Ich wartete währenddessen in einem kleinen Wäldchen im Schatten. Meine Mutter kam natürlich mit meinen Bruder im Auto zurück, damit wir nicht noch mehr Zeit verloren.

Danach ging es weiter und wir machten Zwischenstopp in Manthes, dort gab es einen Wechsel: von jetzt an begleitete uns meine Gotte auf der Reise. Nach dem Stopp ging es weiter nach Tain-l’Hermitage, wir wurden wieder mal von einem Gewitter überrascht und mussten vorzeitig abbrechen. Wir fuhren mit dem Auto weiter. Als wir ankamen, war der Fussball-Match bald zu Ende und Frankreich war Weltmeister, dass merkten wir als das Huppkonzert begann.

Als wir in das Städtchen gingen zum Essen, war bereits Ausnahmezustand. Die Franzosen wissen wie man feiert! Am nächsten Morgen ging es weiter nach La Coucourde mit Zwischenstopp in Charmes sur Rhône dort m

achten wir Halt in einem Campingplatz-Restaurant. Danach ging es weiter nach La Coucourde. Als nächstes stand Saint Martin d’Ardèche auf dem Plan, wir machten Halt in Viviers, auch ein sehr schönes Städtchen. Danach ging es weiter nach Saint Martin d’Ardèche, wir kamen sehr gut voran, langsam machte uns die Hitze aber zu schaffen. Kurz vor dem Ziel waren wir sehr froh, als ein Tankstellenshop auftauchte.

Auf dem Weg nach Saint Martin d’Ardèche bekamen wir einen Anruf von meiner Gotte, sie war bereits beim Campingplatz an der Rezeption. Anscheinend hatten sie in diesem Campingplatz keine Reservierung von mir bekommen, zum Glück hatte ich noch die E-Mail, die ich an meine Gotte weiterleiten konnte. Sie konnte das Problem relativ schnell lösen und wir bekamen noch denn allerletzten Platz.

Fazit von diesen drei Tagen: bis jetzt hatten wir so gut wie immer sehr behindertengerechte Sanitäranlagen und der Weg an der Rhone entlang konnte bereits jetzt schon mit malerischen Landschaften beeindrucken.

Gruss Yannick

18.7.: Hier der Erste Reisebericht von Genf bis Faramans also die ersten drei Tage.

Wir haben die erste Etappe geschafft! Schon das erste Mal fast verfahren, dann hat es nach Anfangsschwierigkeiten doch geklappt. Die Etappe war zwar klein, nur etwa 32 Kilometer, aber hat dem Rollstuhl und mir schon einiges abverlangt. Lange Zeit ging es gut und wir konnten teilweise auch schon die hügelige Landschaft geniessen. Nach einiger Zeit hiess es aber: links abbiegen auf einen Feldweg, der eher für ein Mountainbike gedacht war.

Der Weg bestand aus grösseren und kantigen Steinen, was die Weiterfahrt verlangsamte. Es waren zwar nur fünfhundert Meter, allerdings brauchten wir dafür eine halbe Stunde. Wir waren sehr froh, dass wir danach wieder auf geteerten Strassen weiterfahren konnten. Auf der Strasse nach Seyssel liess langsam die Kraft nach. Nach Bewältigung des Feldwegs hatte ich bereits leichte Nackenschmerzen und dann liess die Steuerhand langsam nach.

Um 18.00 Uhr kamen wir am Campingplatz International an. Auf dem Weg habe ich gemerkt das wir immer wieder kleine Pausen machen müssen, um meine Hand auszuruhen und eine grössere Mittagspause. Der Campingplatz hatte leider keine behindertengerechte Sanitäranlagen, war aber für mich ok für die erste Nacht. Am ersten Platz hatten wir noch ein logistisches Chaos und brauchten ein bisschen bisschen Zeit, bis wir alles fanden was wir brauchten. Auch mit wenig Komfort braucht es einige notwendigen Dinge.

Am nächsten Tag ging es weiter nach Murs et Gélignieux mit Zwischenstopp Chanaz an der Rhone, ein idyllische Städtchen mit französischem Charme. Dort legten wir eine Trinkpause ein in einem Restaurant. Wir bekamen umsonst noch Apfelwähe dazu und gönnten uns ein Glace.

Danach ging es zum nächsten Campingplatz, dort hatte es gute sanitäre Anlagen. Nächstes Ziel war Faramans mit Zwischenstopp in Virieu und Longechenal. Bis zum ersten Stopp lief alles reibungslos, wir waren sehr gut in der Zeit und konnten schon relativ früh in einer Beiz Pause machen. Danach ging es weiter bis zum nächsten Stopp nach Longechenal. Auf dem Weg dorthin ging es ziemlich bergauf was mein Rollstuhl nicht verkraftete. Schliesslich überhitzte er und meine Mutter musste den Rollstuhl ein kleines Stück stossen. Aus diesem Grund war der Akku in Longechenal leer und wir mussten denn Rest mit dem Auto zurücklegen.

Am Campingplatz in Faramans erwischte uns ein Gewitter, wir blieben aber trocken. Die letzten Tage waren begleitet von starken Bauchschmerzen, trotzdem konnte ich in dieser Nacht relativ gut schlafen. Die Fahrradwege in Frankreich sind nicht sonderlich gut beschildert.

Gruss Yannick

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